13 febbraio 1985
Kurier
Wien
Herbert Hufnagel
Akademie-Helnwein-als-Professor-ein-Schock
Akademie: Helnwein als Professor - ein Schock?
Der 36 jährige Maler soll Rudolf Hausners Nachfolger am Schillerplatz werden
In der Kunstszene rumort's - und selbstverständlich sind die Lager gespalten: Gottfried Helnwein, 36 jähriger Maler mit dem Prädikat "Schocker", soll als Professor in die Akademie am Schillerplatz einziehen. So wünscht es sich zumindest Professor Hausner, der aus Altersgründen die Leitung seiner Meisterklasse abgibt und dabei von seinem Vorschlagsrecht Gebrauch machte.
Der Hausner-Schüler Helnwein  hatte als Student die Zustände an der Akademie immer wieder kritisiert und einmal sogar einen Studenten-Aufstand organisiert.
Jetzt sieht er eine Chance, es selber besser zu machen (siehe nebenstehendes Interview).
Indessen formieren sich die Lobbys pro und kontra Professor Helnwein. Akademie-Professor Gustav Peichl zum Kurier: "Meiner Ansicht nach ist Helnwein nicht der richtige Mann für eine Malklasse." Wie auch immer - bis Ende Februar wird das 20köpfige Professorenkollegium einen Dreiervorschlag für die Hausner-Nachfolge machen. Unter den Kandidaten tauchen auch die Namen Attersee und Nitsch auf.
Interview, Helnwein: Jeder neue Impuls erschreckt
Kurier: Wollen Sie Professor werden?
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Helnwein: Ich habe das nie angestrebt und war vom Vorschlag Rudolf Hausners ziemlich überrascht. Nach einem Gespräch mit ihm habe ich mich mit dem Gedanken angefreundet.
Eigentlich bin ich jetzt interessiert.
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Kurier: Glauben Sie, dass die Studenten und Professoren der Akademie einen Helnwein haben wollen?
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Helnwein: Ich habe das System immer kritisiert und war halt goschert (=aufsässig, frech).
Deshalb werden mich die Lehrer nicht haben wollen. Von studentischer Seite gibt es bereits positive Reaktionen. Vertreter der ÖH (= Österreichische Hochschülerschaft, Studentenvertretung) haben bereits mit mir gesprochen.
Mein Ziel war immer, diese anachronistische Unterteilung der sogenannten E-und U-Kunst zu beseitigen, also diese künstliche Grenze zwischen Ernst und Unterhaltung zu verwischen.
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Kurier: Die Professoren müssten umdenken?
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Helnwein: Jeder neue Impuls erschreckt - vor allem in einer Institution mit einer gewissen Trägheit. Was ich will, ist mit jungen Leuten zusammenzuarbeiten. Hausners Klasse ist ausserdem die einzige, in der ein zeitbezogener Realismus möglich war. Die Tradition dieser Stilrichtung muss einfach fortgesetzt werden.
Akademie der Bildenden Künste, Wien
1985




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